15.10.2010 18:43
Zitat:Was ich nicht so gut fand ( das hab ich ja hier auch schon mal angemerkt): der Atheismus kommt manchmal zu militant rüber.
Man muss auch mal beim Namen nennen, was in den Religionen abläuft. Neue Mitglieder werden als Babys schon zwangsrekrutiert, Konfessionslose und angehöriger anderer Religionen zahlen in Milliardenhöhe (und es sind sehr wohl Milliarden und nicht Millionen!) die Gehälter von Bischöfen und co.
Das ist ein heftiger Widerspruch zur Religionsfreiheit und der Trennung von Staat und Kirche.
Dass es millitant wirkt, so etwas anzusprechen, liegt daran, dass das Thema Religion traditionell mit Samthandschuhen angefasst wird. Das ist genauso unsinn, wie eine bestimmte Partei nicht mehr kritisieren zu dürfen. Außerdem, und das ist ein generelles Problem, werden gut überlegte, sachliche Worte immer als scharf und intolerant wahrgenommen. Wenn man außer diffusen Bauchgefühl nix an Argumenten zu bieten hat, fühlt man sich von klaren Gedanken in die Ecke gedrängt. Menschlich ist der Schutzreflex nachvollziehbar, einem klugen Kritiker niedere persönliche Motivationen zu unterstellen. Aber trotzdem ist es falsch.
Außerdem sollte man mit dem Wort "millitant" nicht inflationär umgehen.
Millitante Christen erschießen Abtreibungsärzte. Millitante Moslems steuern Flugzeuge in Wolkenkratzer. Bei diesen Leuten ist es ihr Glaube, der sie zu den Verbrechen motiviert. Aber schon mal in den Nachrichten von einem Atheisten gehört, der vom Atheistmus zu Verbrechen motiviert wurde? Ich nicht. Atheismus ist kein Moralkonstrukt, und es ist zu wenig, um eine politsche Überzeugung oder Weltanschauung zu formen. Es ist einfach nur mangelnder Glaube an das Übernatürliche. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich denke auch, dass über den Atheismus falsche Vorstellungen herrschen. Das sieht man immer schön an den Nazi-Vergleichen.
Oder der Vorwurf, dass sie den Leuten die Religion verbieten wollen. Das ist absoluter Quatsch. Wie Salomon sagte: Religion ist Privatsache. Aber in Deutschland ist es eben nicht NUR Privatsache. Und genau da fangen auch Atheisten an, sich auch öffentlich zu äußern. Wenn man sie einfach in Ruhe lassen würde, sich die Religion nicht ständig in ihr Privatleben, die Politik und die Wissenschaft einmischen würde, dann würde kein Atheist über Religion irgendwas sagen.

